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Heiligabend

Was für ein verrücktes Jahr, was für ein durchgeknallter Dezember. Seit meinem Weggang aus dem Hardwaregeschäft habe ich keine so chaotische Zeit mehr erlebt - bis zur letzten Stunde sind meine Kunden aktiv und wollen Dinge erledigt haben. Am letzten Sonntagabend vergass ich den Wecker und startete verspätet in die Woche, mein Körper nutzte die Chance, rebellierte und machte aus einem Pfnüsel eine ausgewachsene Männergrippe. Jetzt ist die Weihnachten da, ich bin erledigt, draussen regnet es. Ich entschliesse mich, statt dem üblichen Abendspaziergang zum Heiligabend mit Christbaumkugelselfie eine gemütliche Fotorunde in meiner Stadtwohnung zu machen.

Wir sind definitiv in den 20ern angekommen. Das erste halbe Jahr war ich noch mit der Fotoschule beschäftigt, lernte, tüftelte, produzierte Bilder und fand mit einem sehr eigenen Portfolio einen Abschluss. Das zweite halbe Jahr klemmte ich mich in meinen Hintern, versuchte in meinem „neuen“ Job die Füsse auf den Boden zu bekommen. Herauszufinden, was meine Aufgaben sind, wie ich sie anpacken muss und meinen Arbeitsgspöndli zu zeigen, was ich kann und wo meine Grenzen liegen.

Da ich nicht bereit war, mich bei beiden Dingen für einige Tage unkontrolliert ausser Gefecht zu setzen, bin ich nach wie vor unzertifiziert. Es ist Pokern mit meinem Leben, dessen bin ich mir bewusst - bin ich doch nach intensiven Erlebnissen nicht mehr Willens, auf Intensiv zu liegen. Im Büchergestell neben mir liegen entsprechende Dokumente, meine Liebsten wissen, wo sie sind und wie ich denke. So lange Trams und Autos mich akuter bedrohen als Viren, werde ich wohl diesen Weg gehen.

So nutzte ich die vergangenen 3 1/2 Monate Lockdown meinerseits zum Einarbeiten in die neue Arbeitsweise als Informatiker mit Kundenkontakt. Ich gab mich bewusst ins Home Office, ergänzte meinen Esstisch durch einen Stehtisch mit Motörchen und bin seit der Ankunft der Ever Given in Rotterdam Besitzer eines ergonomischen Hockers. Mein Rücken findet es auf jeden Fall grandios, der Ischiasnerv zwickt nicht mehr, die Arschbacken werden wieder rund. Ich gab mich in Confcalls, Remote Desktops und -Shells, physische Distanz zu Menschen. Lernte, auch damit einen ordentlichen Job zu machen und brachte einige Projekte zum Abschluss.

Ich gehe mit meinem Murphyanismus schon seit über einem Jahr davon aus, dass uns das noch sicher bis Mitte Jahrzehnt begleiten wird. Im Sommer war auch mein Arbeitgeber so weit und reduzierte Büroarbeitsplätze, vor einer guten Woche hat es bei unserer Exekutive geklingelt und sie haben uns noch einige harte Winter vorausgesagt. Wir sind definitiv in den 20ern angekommen, die gute alte Zeit ist Geschichte.

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