Still und heimlich feierte ich Ende März 42 Monate Bild vom Tag
Es wird langsam Zeit, wieder „normale“ Bilder zu machen und mich von der Technik weg und der (*hüstel*) Kunst zuzuwenden
Völlig ungeplant und -erwartet wird es zu einem Themenmonat, wie schon Juni '24 (Details, Licht, Form und Farbe) und April '25 (absurde Kunst). Etwa ab dem dritten Tag ist das Thema Rundumeli 1) gesetzt!
Ich bediene mich an den Erfahrungen im Postprocessing des letzten halben Jahres und freue mich über die Komposition. Eine gute Freundin meinte neulich zu so einer wie ein Postkartenständer, es macht mich neugierig, das genauer anzugucken. Etwas was ich in Farbe bisweilen auch hinbekomme - aber nur wenn die Bilder vom selben Ort und selbiger Zeit stammen.
Letzter Sonntag im April, es ist Pinhole Day! Ich erwache mit einer kräftigen Entspannungsmigräne und bin froh, seit Anfangs Jahr nebst Paraceptamol auch Triptan in meinem Medizinschrank zu finden. Trotzdem drücke ich mir schon jetzt die Daumen, um am 30. April 2027 fitter zu sein.
Während einem winterlichen Leseabend stiess ich auf Gertrude Käsebier und einer ihrer beiden Akte, The Bat. Sie war vor hundert Jahren eine der grossen Piktorialisten, welche das Ziel verfolgten, aus der Fotografie eine Kunstform zu schaffen.
Das Bild erinnerte mich auf den ersten Blick an eine Pinhole Aufnahme, auch wenn das urprüngliche Negativ durch eine Linse belichtet wurde und viel der Stimmung im Labor entstand. Das wäre doch etwas, um an einem Pinhole Day interpretiert zu werden? Die passende Lokation mit der Burgruine Friesenberg ist nah genug für einen solchen Tag 1), mangels Modell stelle ich mich selbst vor die Kamera und ziehe auch züchtig meine frisch erworbenen Sportklamotten an, um die Regeln nicht zu brechen 2).
Wie beim letztjährigen Engel sind die Leute heillos überfordert vom Beat als Fledermaus und lassen mich unbehelligt werkeln
Und auch dieses Jahr findet das Bild den Weg in die offizielle Galerie *freu*
Gradationskurven waren mir bisher ein Rätsel. Nicht was sie tun - eine Umsetzung von Helligkeitswerten des Bildes auf der X Achse und das Resultat auf der Y Achse - sondern wie ich sie verbiegen muss, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen. Jedes Mal, wenn ich mich damit versucht habe, kam es mit wie ein grosses Mikado vor: Ich zog an einem Ende und der Stapel fiel zusammen.
Mit dem Thema Schwarz/Weiss habe ich schon einmal eine (sogar zwei, Grau statt Rot/Grün/Blau) Komplexität weniger und versuche mich damit.
Monat 6: Kamera Monochrome & Gradationskurven
Die Kurven, die Hersteller von Fotopapieren auf ihre Datenblättern druckten, erweisen sich als erstaunlich brauchbar. Sowohl am unteren, als auch am oberen Ende etwas abflachen hilft, es entspricht der damaligen Reaktion von Chemie. Und erstaunlicherweise auch unserem Gefühl eines „schönen“ Bildes.
Ich habe den Dialog wohl schon ewig nicht mehr offen gehabt und staune über die Regler darunter. Sie helfen mir enorm gegen das unkontrollierte Verbiegen
Als ich noch jung war, galt es als „Können“, in der Schwarz/Weiss Fotografie mit Filtern zu arbeiten. Ein paar solcher fand irgendwann auch in meine Vitrine, ein roter (macht dramatischen Himmel), orangen (peppt urbane Ansichten), grünen (macht hübsche Mädchen) und blauen (passt irgendwie nie, aber ich habe ihn) Cokin Series P. Bei der Aufnahme musste man abschätzen, welche Wirkung dieser Filter viiiiel später im fertigen Print zeigen wird.
Heute ist es einfacher, zumindest mit "normalen" Kameras
Sie liefern auch in der Schwarz/Weiss Einstellung ein RAW mit den Sensordaten, die Umsetzung ins Schwarz/Weiss passiert anschliessend zum Demosaicing über Tabellen und kann nachträglich angepasst werden.
Monat 5: RAW mit Adobe Monochrome & „Farbfilter“
Ganz so einfach ist es nicht. Wenn ich in Lightroom ein Kamera Profil verwende, verweigert er mir weitere Anpassungen - dieser Dialog ist nur dann vorhanden, wenn als Grundprofil eines der Adobe Profile verwendet wurde. PhotoLab wäre da grosszügiger, kostet aber wesentlich mehr Zeit pro Bild, was mich ins nächste Kaninchenloch schickt.
Ein Bild meiner Kalibrationskarte muss hinhalten und ich verschiebe so lange die Regler, bis ich einen Preset erstellen kann, der (nahezu) dieselbe Umsetzung von Farbe nach Schwarz/Weiss erstellt wie die Kamera bzw. das Camera Monochrome Profil. Weitere Feinkorrekturen sind nötig, bis die Bilder vom Oktober, zu denen ich die JPEGs aus der Kamera habe, dann auch (fast) perfekt stimmen.
Sharing is caring heisst es
B&W.xmp
Spätestens seit meiner Fotoschule haben ich ein gutes Gefühl, mit welchen Reglern ich ohne grossen Eingriff ein Bild „aufhübschen“ kann (Quasi Puder und Wimperntusche für meine Fotos
) Ich weiss sogar, wie ich richtig tief eingreifen kann (quasi deckendes Makeup, Rouge, Lidschatten, Kajal und Lippenstift
), was ich jeweils bei passenden Gelegenheiten anwende.
Funktionieren die gewohnten Anpassungen auch für Schwarz/Weiss?
Monat 4: RAW mit Kamera Monochrome & Pimp
Ja, sie funktionieren. Weitgehendst 1:1
Zumindest wenn das Basisprofil stimmt
Seit einer Ewigkeit habe ich meine Kamera auf den Faithful 1) Picture Style gesetzt und nutze das von Adobe reverse engineerte Camera Faithful DCP Profil als Startpunkt meines Post Processings. Einerseits mag ich die Canon Farben - vor allem, weil sie meinem Sehen entsprechen und das ist nicht sonderlich kräftig in seinen Farben - andererseits finde ich es super, wenn der Sucher dasselbe zeigt, wie mir meine RAW Entwickler als Startpunkt geben. Ich habe damit so schon bei der Motivsuche ein gutes Gefühl, was ich aus dem Bild machen kann.
Die beiden letzten Monate habe ich versucht, selbiges Verhalten für Schwarz/Weiss Bilder zu bekommen. Sowohl der Weg über JPEG, als auch über HDR aka HEIF zeigten sich als schwierig, also zurück zum RAW.
Monat 3: RAW mit Kamera Monochrome.
Viel Googeln und Tüfteln lerne ich, dass es ganz einfach ist
Den passenden Haken setzen und die RAWs kommen beinahe deckungsgleich wie das Sucherbild bzw. die JPEGs aus der Kamera
Zu meiner Verteidigung kann ich schreiben, dass Adobe zu meiner 5D3 noch kein passendes DCP Profil für Monochrome erstellte, sondern sich auf einen Murks verliess, der die Canon Farben in (in meinen Augen hässliches) Schwarz/Weiss umlegte. Dass es für die R5 in Lightroom ein reverse Engineered Profil gibt, fand ich erst während dieser Tüftelei heraus.
In den kameraspezifischen Anpassungen liegen meine ISO abhängige Rauschreduktion und ein klitzekleines Bisschen Pimp, das sich über die vergangenen 16(!) Jahre bewährt hat.