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Vintage

Mein Arbeitgeber ist in einer Restrukturierungsphase und ich vermeide tunlichst, mir neue Projekte anzulachen, um den noch unformulierten zukünftigen Anforderungen gerecht werden zu können. So gerät dieser November ruhiger als gewohnt.

Ich kämpfe: Mir fehlt auf meinem Weg durch die Welt ein imaginärer Sucherrahmen für 28mm. Die 24mm, 35mm oder 50mm sind fest verdrahtet, ich kann ein Motiv betrachten, weiss, wie viel davon aufs Bild kommt und ob ich meinen Platz wechseln muss. Mit dieser Linse fehlt mir das, ich kapituliere öfters als mir lieb ist und muss alternative Subjekte suchen.

Ich bin begeistert: Es ist fantastisch, welche Abbildungsleistung selbst in die Ecken aus dem kleinen Ding kommt, mehrfach geniesse ich die Möglichkeit, auch bei 1/4 Sekunde noch unverwackelte Bilder zu produzieren.

Migräne

Im Frühsommer hatte ich zwei Monate lang Migräne, nahtlos folgte eine Welle auf die andere. Tagebuch führen sollte ich wohl, um das Ganze quantifizieren zu können, und so hatte ich nach einer schlaflosen, weil schmerzhaften Nacht die Migräne App der Schmerzklinik Kiel auf meinem Handy. So findet die zweite Phase im Herbst, bei der die Wellen zwei Monate lang überlappend daherkommen, eine saubere Dokumentation.

Die Erkenntnisse der ersten 6 Monate: Ich prügle mich viel zu oft durch meine Arbeit, als dass ich behandlungsbedürftig wäre und mein Schmerzmittelkonsum ist (bedingt durch familiäre Erfahrungen) so tief, dass es niemanden kümmert.

So bleibe ich auf mich selbst gestellt und werde mich weiterhin fototherapeutisch damit auseinandersetzen *kopfkratz*

Vintage

Dieser Oktober wird zu einem Fotomonat, ich habe ein paar Ferientage und ziehe das Bild vom Tag weiter.

Nach dem Takumar aus Mitte 60ern und dem Superzoom aus Mitte der 90er bin ich bei einem Pancake aus Mitte der 20er angekommen. Es ist der neue geile heisse Scheiss, die elektronische Korrektur nicht mehr nur Notbehelf, sondern integraler Bestandteil des Objektivdesigns. Es ist wunderbar klein und leicht, hat 28mm und könnte dieselbe Nische wie das 35mm Takumar abdecken.

Als erstes beschäftige ich mich mit einer Kordel und Tasche für meine Kamera, ist sie mit diesem „Gehäusedeckel“ nicht halb so gross wie zuvor. Bei beidem überzeugen mich die aktuellen Produkte der Fotoindustrie nicht sonderlich: Bei den Kordeln muss immer ein Schnellverschluss mit dabei sein, der nicht sonderlich vertrauenerweckend aussieht und immer im Wege liegt, bei den Taschen haben sich die Erbauer überlegt, dass sie zwar einen Deckel haben sollen (und stark „ich bin eine Fototasche“ schreien), dann aber einen fummeligen Reissverschluss auf der Rückseite haben, der nicht vom Deckel gegen Regen geschützt wird. So recycle ich die bestehende Tasche (sie hat jetzt halt 2/3 Luft) und modifiziere einen alten Tragriemen (immerhin gehörte er zu einer EOS 1) zu einer praktischen Handschlaufe.

Portrait

Mein Bart wuchert, die Haare grauen, die Falten werden tiefer - ich brauche ein neues Profilbild. Eine Session im Frühjahr eskalierte in Schabernack, so nutze ich ein paar Freitage, um es noch einmal zu versuchen.

Es werden dann doch drei Anläufe, bis mir das Resultat passt. Ich bin unschlüssig, ob ich jetzt eitel bin oder aber schon zu viele (schlechte) Portraits gemacht habe ;-)

Auge

Ein guter Freund von mir beschäftigt sich mit künstlicher Intelligenz und ihren Möglichkeiten, damit Kunst zu erschaffen. Es fühlt sich gruselig an, was damit möglich ist und ich frage mich oft, ob es denn solche Handwerker wie mich noch brauchen wird. Neulich generierte er ein Mädchen, das durch ein Glas blickt, Inspiration fand er in Die lachende Kamera aus den 60ern. Ich fühlte mich wiederum inspiriert ;-)

Ganz so einfach wurde es dann doch nicht. Die KI muss sich nicht um Modelle kümmern (ich schon, also Beat, sitz vor die Kamera!), hat beliebige Gläser im Schrank (bei mir sind die grossen über die Jahre zerdeppert, immerhin besitze ich seit meiner Hochzeit Schampusgläser) und muss sich nicht physikalischen Grundsätzen beugen (mist, wo liegt jetzt der Fokus? Wo ist meine Brille???)

Immerhin trage ich die Erkenntnis mit mir, dass wir fotografischen Handwerker nicht ganz bedeutungslos werden *schweissabwisch*

Antennen

Schon etwas länger her bekam ich in meinem Lieblingscomicshop den Schattenspringer empfohlen. Ein wunderbarer (Sach)Comic, den ich auch schon meinem ehemaligen Teamleiter zur Veranschaulichung unseres Seins in die Hand drückte. Daniela hat darin eine Zeichnung, auf der sie auf den Schatten ihrer Antennen guckt.

Die Idee, das fotografisch nachzustellen, begleitete mich sehr lange. Alleine das Scouten einer Lokation stellte sich als Herausforderung heraus, heutzutage sind unsere Städte mehrheitlich von LEDs beleuchtet, die unmögliche „pixelige“ Schatten erzeugen. Wenigstens eine Strasse fand ich, die noch altmodische Natriumdampflampen benutzt und diese so weit voneinander entfernt sind, dass es einen einzelnen und deutlichen Schatten gibt. Zeit, Trockenheit und Dunkelheit brauchte das Projekt auch, willige Assistenz sowieso. Ich finde alles an diesem Oktoberabend.

Ich mag meine Antennen. Sie motivieren mich zu solch absurden Ideen 8-)

Spass am Rande: Der Spaziergänger mit Hund, der mich fragte, ob wir da eine Radarfalle aufbauten, war einfach zu köstlich LOL


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