Wann immer ich auf eine Webseite komme, so suche ich nach Infos über den Menschen dahinter. Für mich ist im Internet nicht der Computer auf der Gegenseite das Ding, sondern immer der Mensch, der ihn mit Inhalten gefüllt hat.
Wer ist dieser Beat Rubischon?
Ganz kurz: 41 Jahre alt, Detailhandelsangestellter, Rockträger, Ehemann, freischaffender Fotograf, Vater, Linuxler.
Vielleicht etwas länger: Meine Webseite, meine Profile auf Facebook, Google+, Xing, LinkedIn.
Und vielleicht noch etwas länger, wir sind hier ja schliesslich auf der Webseite eines freischaffenden Fotografen
Geboren am 3. Februar 1971. Damit ein Wassermann, denen man durchaus kreative Fähigkeiten zuspricht. Die ersten Jahre war ich vor allem Fotomodell, mein Vater arbeitete in dem Business und brauchte ab und zu ein Modell, das nicht davonrennen kann. Im Kindergarten versuchten die Kindergärtnerinnen vergeblich mich zum Zeichnen, Malen und Basteln zu bewegen - ich war einfach zu ungeschickt für mein schon damals ausgeprägten Perfektionismus.
Etwa 1981 drückte mir meine Mutter ihre Agfamatic Pocket in die Hand, wahrscheinlich um bei einem Ferienpassausflug ein paar Bilder zu machen. Ich stellte mich nicht mal so ungeschickt an und fabrizierte einen Haufen Fotos. Nach dem anfänglichen Schock über die gefüllten Filme bekam ich Unterstützung durch meine Eltern, die mich ein Leben lang begleitet hat.
So kam es, dass ich auf die Weihnachten 1983 eine ordentliche Kamera versprochen bekam. Ich guckte mich herum, damals gab es die heutigen Klassiker im Spiegelreflexbereich und lange vergessene Knipsomaten. Autofocus steckte in den Kinderschuhen und kostete ein Vermögen. Mein Vater motivierte mich zu einer vollmechanischen Kamera und so lang an Weihnachten eine Pentax K1000 unter dem Weihnachtsbaum. Mit einem Zustupf von Grosseltern und dem Inhalt meiner Ersparnisse erwarb ich wenig später noch einen kleinen Metz Blitz, ein Revueon 35-70, ein Revueon 80-200 und einen 2x Telekonverter.
Ich machte viele Bilder. Am Anfang Farbfilme (ich bekam mit der Kamera eine Hand voll Filme), später Schwarz Weiss (von denen ich einige selbst entwickelte), noch etwas später Dias. Mit der Zeit schoss ich mich auf Ilford FP4 und die Ektachrome Filme ein. Letzteres aufgrund eines interessanten Zwischenfalles: Ich machte Fotos für einen Schulvortrag und reiste mit meinem Vater in den Jura. Unterwegs brauchte ich noch Filme und der Händler am Wegrand - er sprach nur Französisch - hatte nichts anderes im Angebot. Ich blieb Jahrelang dabei, bis ich die Agfachrome Professional für mich entdeckte.
Etwa 1986 erbte ich eine Olympus OM2 mit einem 50mm Makro. Schnell kam auch hier ein 35-70 und ein 80-200er dazu, natürlich auch das nur Fremdlinsen, für die Originale hatte ich schlicht zu wenig Geld. Es war die Zeit der Jobsuche und ich stellte schnell fest, dass ich bei meinem einen Hobby, der Computerei, keine Ausbildung fand und mit meinem zweiten Hobby, dem Fotografieren keinen Verdienst haben würde. So kam der Kompromiss und ich machte eine Lehre als Fotofachverkäufer beim Foto Bären.
An einem warmen Herbstabend überraschte ich meinen Chef und bestellte bei ihm eine Hasselblad 503CX. Gerade neu lanciert an der Photokina und natürlich ein mittleres Vermögen teuer. Nahezu ein Vierteljahrhundert begleitete sie mich, bis ich mich definitiv zu einer „grossen“ Digiknipse entschied.
Verkäufer ist leider auch brotlos und so suchte ich schon während der Lehre einen Ausstieg. Ich fand ihn bei der MINOLTA als Deteilhandelsangestellter. Damals eine einjährige Zusatzausbildung, die mich in die Computerei brachte. Dennoch verlor ich nicht den Kontakt zum Fotografieren, gerade mitte der 90er kamen die ersten Digiknipsen und ich half die RD-175 und die Dimage V an den Mann zu bringen.
Nach einem kurzen Abstecher in die Datenbankwelt kam ich an die ETH. Wir hatten ein Studio, von dem ich einige Male Gebrauch machte und das ich heute sehr vermisse. Mein Weg brachte mich weiter zu einem kleinen Computerbauer im Zürcher Oberland. Gar nichts mehr mit Fotografieren - dafür aber viel unterwegs.
In der Zwischenzeit hatte „mein“ Labor die Türen zugemacht und das Fotografieren wurde endlos kompliziert. Ich legte die Kamera beiseite und überliess das Fotografieren Nala. Bis zu meinem WG-Zimmer Aufenthalt 2008, als ich meine Pentax MX hervornahm, einen Ilford XP2 belichtete und ihm im Stundenservice am Hauptbahnhof entwickeln liess. Der Hunger war geweckt, musste aber mangels Finanzen noch etwas warten.
Bis zu dem Augenblick, als unser Steueramt uns eine Gutschrift machte und Nala dieses Geld für eine Canon EOS 500D für mich bestimmt hat. So war ich seit November 2009 mit einer Kamera unterwegs und fülle fleissig meine Galerie. Mein erster Vorsatz war, ein paar hundert Filme zu belichten, um wieder in Uebung zu kommen. Immer im Hinterkopf, wieder „richtig“ zu fotografieren, wenn ich dann mal Zeit dazu habe.
Ende 2011 wurde mir bewusst, wie vergänglich wir sind. Ob ich in 10 Jahren noch Fotografieren kann? Ob ich mir dann die Zeit nehmen kann, nach einem Ausflug in den Keller zu gehen und meine Filme zu entwickeln? In einem langen Prozess verabschiedete ich mich von meiner Hasselblad, von vielen Erinnerungen und Träumen, tauschte sie gegen eine brandneue EOS 5D Mark III ein. Ich will schöne Bilder machen, im hier und jetzt. Wenn digitale Bilder dasjenige sind, was in meinem Leben Platz hat, dann wenigstens mit einem grossartigen Werkzeug. Life is too short to use bad gear